Dr. Elena KARTASCHOVA

Dozentin an der Johannes Kepler Universität Linz | In Österreich seit 1995 | Geboren in der UdSSR (Russland)


Beruf & Leben

Elena Kartaschova wuchs in Novotscherkassk auf, einer kleinen Stadt im Süden Russlands. Frühzeitig entwickelte sie eine Leidenschaft für Mathematik,  erhielt bei Schülerwettbewerben Preise für Mathematik und Physik und maturierte mit Auszeichnung. Danach studierte sie an der Lomonossow-Universität in Moskau Mathematik; ihren Lebensunterhalt verdiente sie durch nächtliche Arbeit als Krankenschwester. 
Die darauffolgenden zehn Jahre arbeitete sie unter anderem als Programmiererin im Rechenzentrum des Bildungsministeriums in Moskau, da es ihr aufgrund ihrer Herkunft nicht möglich war, eine Doktoratsstelle zu finden. Im Jahr 1984 wird ihr erster Sohn geboren und stirbt tragisch, 1986 wird ihr Sohn Peter geboren. Durch glückliche Umstände fand sie schließlich im Jahr 1988 eine Doktoratsstelle am  Institut für Ozeanologie der Akademie der Wissenschaften in Moskau, wo sie mit einer bahnbrechenden Arbeit über Resonanzen von Wellen promovierte. Das Thema der Wellenresonanzen sollte künftig ihre wissenschaftliche Arbeit bestimmen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte sie einen Monatsverdienst von 5 USD (die offizielle Armutsgrenze lag bei 20 USD), ihr Mann war arbeitslos. Das war der Grund, warum beide Arbeit im Westen suchten. Räumlich voneinander getrennt wurden sie in verschiedene Länder eingeladen. Nach mehreren Forschungsaufenthalten, u.a. in den Niederlanden, UK, USA kam sie im Jahr 1995 nach Österreich zu ihrem Mann um ihre Ehe zu retten, was jedoch nicht gelang. Ihre wissenschaftliche Karriere war damit vorderhand zu Ende. Sie arbeitete in verschiedenen Berufen, unter anderem auch der  R&D-Abteilung der VAI (wo sie ein Patent erlangte).  An die Universität zurückzukehren schien aussichslos, und sie begann im Jahr 1998, ihr Leben in Romanen aufzuarbeiten.

2004 fand  Elena Kartaschova unverhofft den Weg zurück in die Wissenschaft. Sie erhielt eine Teilzeitstelle an einem FWF-Projekt an der JKU, dem bald eigene Projekte folgten,  für die sie vom FWF im Zeitraum 2007 - 2012 mehr als 800.000 Euro erhielt. Sie publizierte eine Fülle an Artikeln in angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften. Für ihre Leistungen wurde sie im Jahr 2007  mit dem Titel eines Ehrenprofessors der russischen Akademie der Naturwissenschaften ausgezeichnet. Im Jahr 2008 habilitierte sie mit einer Arbeit zum Thema „General features of nonlinear wave resonances with discrete spectra“, die 2010 als Monographie bei Cambridge University Press erschien.

Zurzeit leitet Elena Kartaschova an der JKU eine eigene Gruppe für ihr Fachgebiet der Analyse nichtlinearer Resonanzen. Als Anerkennung für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt sie zahlreiche internationale Grants und Auszeichnungen (siehe Anhang). Sie wird regelmäßig zu Vorträgen und Vorlesungen an internationalen Universitäten eingeladen, unter anderem nach Australien, China, Frankreich, Mexiko, Israel, Irland, Taiwan, UK und die USA. Darüber hinaus auch zu über 20 Forschungsaufenthalten an angesehenen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten weltweit, für die Jahre 2013 und 2014 sind weitere geplant: Forschungsaufenthalt am Fields Institute, Toronto, Kanada, am Max-Plank-Institut für Physik komplexer Systeme, Dresden, Deutschland und am Newton Institute, Cambridge, UK. Ihre wissenschaftlichen Leistungen kann man erst richtig würdigen, wenn man bedenkt, dass durch Schranken der Herkunft und die Verantwortung für ihren Sohn ihre wissenschaftliche Laufbahn für mehr als 20 Jahre unterbrochen war. Dies alles ist in ihren Romanen beschrieben.

Mitgliedschaften

  • Mitglied der American Mathematical Society
  • Mitglied der American Physical Society
  • Reviewer für Mathematical Reviews (Amer. Math. Soc.) und Referee u.a. für Europhys. Lett., J. Supercomputing, J. Atm. and Solar-Terres. Phys., J. Deep Sea Research, European Phys. J. -B.
  • Mitglied der Organisation „European Women in Mathematics“ (2005-2010 – EWM Koordinatorin für Österreich)
Außerberufliches Engagement

Seit 2005 organisiert sie internationale Konferenzen, sowohl in Österreich als auch im Ausland, über die in ausländischen wie auch österreichischen Zeitungen und Zeitschriften berichtet wurde, u.a. in Der Standard, APA-ZukunftWissen und dem „Österreich Journal“.

Und sie begann 1998 Romane zu schreiben: Meine Bücher erzählen vom Leben einer Frau, die  mit ihrem Kind auf sich selbst gestellt ist, zuerst unter schwierigen Umständen in der zerfallenden Sowjetunon, später als Migrantin in einem fremden Land, vom Aufbau einer neuen Existenz, von Schicksalsschlägen, überraschenden Wendungen, Sieg und Niederlage, Mut und Verzweiflung. Sie machen Mut, dass man auch in scheinbar aussichtsloser Lage nicht aufgeben muss und ein glückliches Ende möglich ist. Vier Romane sind in russischer Sprache, der erste ist auch in deutscher Sprache erschienen.

Integrationshürden/-überwindung

Ein mühsamer, aber fruchtbarer Aufbau von sozialen Netzwerken mit hilfsbereiten Österreichern und –innen half viele der Hürden zu bewältigen: Zum Beispiel halfen gutgesinnte Nachbarn in Puchenau mit dem Gewerbeschein und wohltätige Bekannte in der Kirche, in deren Chor sie sang, halfen bei der Wohnungssuche und der Staatsbürgerschaft. Sie zog ihren Sohn alleine groß und kann stolz sein: Er schloss das Bundesrealgymnasium mit ausgezeichnetem Erfolg ab, leistete seinen Präsenzdienst und studierte an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, wo er sein Diplomstudium der katholischen Fachtheologie im Dezember 2012 mit dem Grad des Magisters abschloss. In seiner Arbeit für die katholische Kirche wird er mit seinen weiten Sprachkenntnissen (neben Deutsch, Russisch und Englisch auch Französisch, Chinesisch und Hebräisch, sowie den klassischen Sprachen) zur Integration von Personen mit Migrationshintergrund beitragen, das Bild eben dieser in der Öffentlichkeit verbessern, und so dem Integrationsland Österreich einen Dienst erweisen.