Henriett KOÒSZ

Sportlerin (Rollstuhltennis) | Geboren in Köszeg (Ungarn) | In Österreich seit 1998


Beruf & Leben

In Ungarn aufgewachsen, besuchte sie dort das Gymnasium. Ein halbes Jahr vor ihrer Matura, im Oktober 1997 kam es zu einem Autounfall mit der Diagnose: komplette Querschnittlähmung und für immer auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. Infolge dessen kam sie zur körperlichen und sozialen Rehabilitation nach Österreich, wo sie im Rehazentrum Weißer Hof in Klosterneuburg untergebracht war. Dort brachte man ihr bei, mit dem Rollstuhl zu leben. In dieser Situation musste sie sich mit ihrem Schuldeutsch zurechtfinden. Sogar die Menüauswahl war für sie ein großes Problem. Zu ihrer Unterstützung bekam sie einen Zivildiener zur Seite gestellt der ihr alles erklärte. In dieser Zeit machte sie, von ihren Verwandten positiv motiviert, ihre Matura nach.

Für ihre soziale Rehabilitation, stellte sich die Sprache als große Hürde heraus. So entschied sie sich für eine zweijährige Umschulung, bei der sie die Sprache gut erlernen konnte und begann mit einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung, 2002 machte sie die Lehrabschlussprüfung bei der Wirtschaftskammer und begann im selben Jahr mit einer Anstellung beim Stadtschulrat für Wien.
2004 begann sie sich ohne Vorkenntnisse für Rollstuhltennis zu interessieren, war Mitbegründerin für den Verein ROLLSTUHLTENNIS FONTANA und Mitglied des Österreichischen Behindertensportverbandes und ist seit Dezember 2005 auf internationalen Turnieren unterwegs. Beruflich wechselte sie zunächst für 3 Jahre als Medizinproduktberaterin zur Fa. Matzka Rehabilitationstechnik und konzentriert sich nun seit 2010, das Jahr in dem sie in den A-Nationalteamkader gewählt wurde, ausschließlich auf den Sport und beginnt 3 – 5 mal/Woche zu trainieren, 15 Turniere spielt sie im Jahr weltweit. 2012 nahm sie als einzige Frau aus Österreich im Rollstuhltennis an den Paralympics in London teil.

Ihre größten Erfolge bisher:

  • Austrian Masters 2009, 2010, 2011, 2012
  • Österreichische Staatsmeisterin im Einzel 2010
  • Österreichische Staatsmeisterin im Doppel 2009, 2011
  • Mannschaftsmeisterschaften Silber 2012 und Bronze 2011
  • Stand in Israel-, Czech und Slovakia Open im Einzel im Finale
  • Sion-Indoor 2011: Gewinnerin Einzel, Finale Doppel
  • Tournoi de Montfermeil 2011: Gewinnerin Einzel, Doppel
  • Vulkanland Wheelchair Tennis Open 2010: Gewinnerin
  • Birrhard Open 2010: Gewinnerin
  • Tournoi Indoors Bulle 2010: Finale
  • Teilnahme Paralympics 2012 in London


Außerberufliches Engagement

Ehrlich gesagt, für mich ist vieles selbstverständlich und nicht außerberuflich (wie z.B. Rollstuhltennis-Workshop und Ansprechpartner für Sportler), daher möchte ich hier folgende Worte wiedergeben:

* Österreichischen Behindertensportverband:
„Frau Henriett Koósz ist seit 2005 Mitglied im ÖBSV und seit Beginn an eine Bereicherung im Damen Rollstuhl-Tennis. Sie engagiert sich national für die Verbreitung des Behindertensports und … Persönlich entschied sie sich bald für den Leistungssport und stellte trotz aufwendigem Beruf ihr Training auf professionelle Beine. Und sie war bereit, noch mehr zu investieren und den Sport vor dem Beruf, für die Teilnahme an den Paralympics 2012, den Vorzug zu geben. Nur mit ihrer Spielstärke ist es auch möglich, sich mit einem Österreichischen Damenteam für den World Team Cup, den wichtigsten Event im RS-Tennis nach den Paralympics, zu qualifizieren. Dies wäre für das Damen Rollstuhl-Tennis in Österreich ein enormer Impuls, dessen Sog auch weitere Tennissportlerinnen mitreißen würde, die den Sprung in die internationale Sportwelt dann schaffen werden.“

* Frau BM a.D. Maria Rauch-Kallat, Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Committee:
„Neben Ihren sportlichen Leistungen hat sich Frau Koósz für die Entwicklung des Behindertenleistungsports in Österreich eingesetzt. Das Antreten von Frau Koósz bei den Paralympics in London für Österreich würde nicht nur einen Erfolg  im Tennis mit sich ziehen, sondern würde auch eine Vorbildwirkung  für viele junge Tennisspielerinnen in Österreich bedeuten.“

Integrationshürden/-überwindung
  • Sprache: ich kam mit Schuldeutsch nach Österreich
  • Behinderung: mit mangelnden Deutschkenntnissen um Hilfe zu bitten
  • Bürokratisch: Verlängerung der Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung
  • Die größte Hürde bis Juni 2012 war einfach meine Staatsbürgerschaft, also dass ich Ausländer war.

Nach langem hin und her wurde aber alles akzeptiert und ich habe es geschafft: Teilnahme an dem größten Events. Im Jahr 2010 hatte ich gesagt: „Mein größtes Ziel ist an dem World Team Cup und Paralympics in „rot-weiss-rot“ zu starten. Meine sportlichen Wurzeln liegen in Österreich. Ich habe viel von Österreich erhalten und dies möchte ich in sportlicher Hinsicht zurückgeben!“ Nun jetzt, 2 Jahre später, bin ich extrem stolz darauf, es erreicht zu haben. Denn es wurden mir viele Steine in den Weg gelegt und in Zukunft hoffe ich, dass ich mit meinem Ausdauer, Kampf und Ehrgeiz, viele Frauen ein Vorbild sein und Mut geben kann.
Anhand meines Beispiels kann ich trotz allem sagen, es lohnt sich um den Traum zu kämpfen, denn sonst wäre ich jetzt nicht in Österreich!