Bakk.a Umyma MOHAMAD EL JELEDE

Beraterin, Projektmanagerin bei FEM Süd | Geboren in Khartum (Sudan) | In Österreich seit 2004


Jelede

Beruf & Leben

Nach dem Medizinstudium an der Universität in Tripolis/Lybien machte Umyma Mohamad El Jelede die Ausbildung zur Fachärztin der Pädiatrie und der Allgemeinen Chirurgie an der Universitätsklinik in Sbeha/Lybien.

Aufgrund der politischen Situation in ihrem Heimatland Sudan gibt es für sie nur den Ausweg zu flüchten, damit sie weiterer Inhaftierung entgehen und in Freiheit leben und arbeiten kann. Sie wusste nicht, in welches Land sie kommen würde. Für sie war nur klar, dass es ein westlich-europäisches Land sein muss, in dem Frauen alle Rechte haben.

Ende 2004 kam sie in Österreich an, 3 Jahre später wurde sie nach negativen Asylbescheiden und zermürbender Unsicherheit als Konventionsflüchtling anerkannt. 2004 begann sie mit Übersetzungen und Dolmetscharbeiten für die Firma "Hasenkopf", war im Beratungszentrum für Prostituierte des Vereins "Sophie", fungierte als Frauen-Business-Mentorin (Bundesministerium für Gesundheit und Frauen) in Zusammenarbeit mit "Schwarze Frauen Community" und engagiert sich heute in vielen Initiativen:

 

  • seit 09/2007: Mitarbeit im Frauengesundheitszentrum FEM Süd als Sozial- und Gesundheitsberaterin (auf Arabisch, Englisch und Deutsch): Aufbau des Projektes "Gesundheitsberatung für Frauen aus von FGM (=weibl. Genitalverstümmelung) betroffenen Ländern".
  • Sie ist Mitglied des FGM-Expertinnenbeirats, leitet Gesundheitsworkshops für arabischsprachige und afrikanische Frauen, ist Trainerin und Referentin für Fort- und Weiterbildungen sowie Vorträgen zum Thema FGM, uvm. (siehe Lebenslauf)
  • "Die Wahr/Falsch INC." in Zusammenarbeit mit "Science Communications" - Mitglied im Verein "Forscher/innen ohne Grenzen"
  • Mitarbeit bei
    • SCIENCE GRAFFITI und MAMMA SAYS von www.trustroom.com - conceptual art + political science
    • der "Österreichische Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung"
    • der "Plattform Österreichische Initiative Mutternacht", ein Zusammenschluss österreichischer Akteurinnen, die sich für die Senkung der Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern einsetzen und
    • beim Projekt NACHBARINNEN in Wien, das eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände von Migrantenfamilien in Österreich zum Ziel hat.

 

Außerberufliches Engagement
  • Seit 2005 Unterstützung von Frauenprojekten und Organisationen im Sudan und Äthiopien.
  • Seit 2005 Mitgliedschaft im Österreichisch-Sudanesischen Verein „Selam Sudan“.
  • Seit 2006 Projekteinsätze in Partnerländern im Rahmen der Organisation "Aktion Regen", eine von der Wiener Frauenärztin und Entwicklungshelferin Dr. Maria Hengstberger gegründete Organisation, die sich dem Aufbau von Gesundheitszentren und Kliniken in Entwicklungsländern, der Förderung von speziellen Frauenprojekten und Themen wie Aufklärung und Familienplanung widmet.
  • Seit 2009 pXc-Botschafterin für Projekte "A Letter to the Stars" und projectXchange.
  • Seit 2012 Vorträge und Beratungen in der "Desert Flower Foundation". Die von Waries Dirie ins Leben gerufene Organisation hat das Ziel, durch Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerkarbeit, Informationsveranstaltungen und Schulungen, sowie durch Direkthilfe dem Verbrechen der Genitalverstümmelung ein Ende zu setzen.
  • Seit 2012 Mitglied im Verein "Sudanesische Frauen Solidarität".
Integrationshürden/-überwindung

Es gab und gibt für sie verschiedene Integrationshürden, die voneinander abhängen:
Um die Staatsbürgerschaft zu bekommen, war es notwendig so schnell wie möglich eine Arbeit zu finden, was sich aber dem perfekten Erlernen der deutschen Sprache und den Anforderungen der Nostrifizierung (= Anerkennung ihrer Ausbildung in Österreich durch weitere Studien und Prüfungen) zeitlich und finanziell nicht vereinbaren lässt.

Ihr Traum ist es, in Österreich als Ärztin in ihrer eigenen Praxis tätig sein zu können und für Menschen da zu sein - egal welcher Herkunft, Bildung, Sprache, Hautfarbe.  Mit ihrer Arbeit im FEM Süd konnte sie erste wichtige Schritte auf ihrem Weg zur gelungenen Integration in Österreich setzen.

Wichtig wäre mir auch, wenn ich in der Zukunft die Möglichkeit hätte, die frauenpolitischen Zustände in meinem Heimatland zu verändern und mehr Rechte für Frauen, für ihren eigenen Körper und ihre Selbstbestimmung zu erkämpfen.

"Es ist gut zu geben, auf eine Bitte hin, doch besser ist es, ungebeten zu geben, aus Verständnis für des anderen Not." Dieser Spruch von Khalil Gibran - einem libanesischen Philosophen - ist mein tägliches Leitmotto. Denn ich bin der Meinung, dass viele Frauen aus meinem Kulturkreis nicht in der Lage sind, ihre Situation und Bedürfnisse entsprechend zu erkennen und zu äußern, so das Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für die eigenen Rechte unbedingt notwendig sind.

Mit meiner Arbeit möchte ich auch gerne etwas von meiner persönlichen Lebensgeschichte weitergeben. Denn schon meine Großmutter, später auch meine Mutter haben im Sudan für uns Mädchen gekämpft, damit wir in der Gesellschaft – mit unserer Herkunft, mit unserer Hautfarbe, mit unseren Traditionen usw. - anerkannt werden und unsere Ausbildung machen können. Meine Mama steht auch jetzt in Österreich an meiner Seite und gibt mir Kraft für meinen Weg. Und ich möchte diese Ideale – nicht nur innerhalb der Familie - sondern weiter in die Gesellschaft hinaustragen.